Tamara de Lempicka

 
(geboren am 16. Mai 1898 in Warschau, gestorben am 18. März 1980 in Cuernavaca/Mexiko)
Die polnische Malerin schuf in den 1920er und 1930er Jahren erotische Bildnisse und Akte in vom Kubismus beeinflusster Malweise. Sie geriet nach dem 2. Weltkrieg in Vergessenheit, ihr Werk wurde erst Anfang der 1970er Jahre neu entdeckt.

Autoportait

Autoportrait
Viele  ihrer Bilder sind quasi Projektion der Lempicka selbst, das Paris-Bild aus der Sicht einer emanzipierten, freizügig lebenden Frau.
Lempicka kreiert damit ein neuartiges Frauenbild, indem sie die weibliche Rolle als aktiv und sogar dominierend definiert und zudem ein offensives Umgehen mit Körper und Sexualität darstellt. Die überzeugendste und bekannteste Vertreterin eines solchen neuen Frauentypus war in den Zwanzigerjahren die Schauspielerin Marlene Dietrich.

Madame Allan Bott, 1930

Madame Allan Bott, 1930
Von Lhote übernimmt Lempicka den «ungefährlichen, bürgerlichen» Kubismus, der die Ikonographie der Salon-Malerei mit einigen stilistischen Erneuerungen des Kubismus zu verbinden sucht, wobei der eigentliche Bildgegenstand jedoch intakt gelassen wird, was Lhote die «plastische Metapher» nennt. So sind die Hintergründe in Tamaras Bildern oft kubistisch abstrahiert, während die Hauptfiguren vollplastisch und in kräftigen, von der Lokalfarbe abgeleiteten Farben gegeben sind. Dieser klassizistisch gefärbte, neo-kubistische Stil macht im Paris der Zwanzigerjahre schnell Furore. Maler wie Aubry, Crevel, Fauconnet, Dupas oder Domergue fördern den dekorativen Kompromissstil.

Suzy Solidor, 1933

Suzy Solidor, 1933
Ihre zahlreichen Liaisons sind Legende. Sie ist Stammgast in vielen Bars und Etablissements, im Nachtclub der lesbischen Suzy Solidor auf dem Montmartre und im «Dôme» oder der «Rotonde», wo sie mit Braque oder André Gide zusammentrifft. Zu ihren berühmtesten Verehrern gehört unter anderem der damals in ganz Europa bekannte Romancier und Schriftsteller Gabriele d'Annunzio.

Die jungen Mädchen, 1928

Die jungen Mädchen, 1928
Tamara de Lempicka war stolz darauf, »bereits mit 28 Jahren ihre erste Million« gemacht zu haben. Die Karriere der Malerin ist nicht von der von ihr mitinszenierten Figur der »Femme Fatale« zu trennen: im Paris der 20er und 30er Jahre führt sie ein mondänes und von vielen Zeitgenossen als skandalös empfundenes Leben. Als »Diva« steht sie im Zentrum der Gesellschaft, als Malerin ist sie mit ihren Porträts Spiegel ihrer gesellschaftlichen Umgebung und ihrer Zeit. Einer Zeit, die von tiefer Zerrissenheit geprägt ist: einerseits von der bitteren Armut der Jahre nach dem Ersten Weltkrieg, andererseits vom ungeheuren technischen und wirtschaftlichen Aufschwung bis zum Börsencrash von 1929.

Junges Mädchen in Grün, 1929

Junges Mädchen in Grün, 1929
Alle späteren Porträts und Figurenbilder der Lempicka strahlen diese so kalt und unnahbar wirkende Erotik aus. Ein berühmtes Beispiel ist das Bild Junges Mädchen in Grün. Eine elegant gekleidete junge Frau hält mit der Rechten ihren weißen, breitkrempigen Hut, um ihn vor einem Windstoss zu retten, der an ihrem Kleid zerrt und die üppige Anatomie ihres Körpers freilegt. Die ausgeprägten weiblichen Formen wirken wie ein aus Marmor gemeißelter oder in Bronze gegossener Akt. Die Arme sind in ihrer harten Modellierung den Roboter-Figuren Légers vergleichbar, noch mehr die an Metallspäne erinnernden Locken und die kleinteiligen Formen des im Wind flatternden Gewandes. Trotzdem zeigen die Figuren die Verlockungen des Fleisches als Teil jenes Konsumapparates, dem die «Malerin von Welt» selbst angehört.