Ölbilder von Frida Kahlo

 

Frida Kahlo (1907-1954) hat sich auf ganz besondere Weise im Spiegel betrachtet. In ihren Selbstbildnissen hat sie ihr inneres Erleben in allen Schattierungen durch Stimmung und Symbolik dargestellt. Schonungslos hat sie ihre unsichtbaren Gefühle auf der Leinwand in die Sichtbarkeit gebracht. Frida Kahlos Fähigkeit sich selbst ehrlich wahrzunehmen und sich mit ihren Gefühlen auseinander zu setzen ist beeindruckend und einzigartig. Sie selbst sagte über ihren Kunststil:

„Man hielt mich für eine Surrealistin. Das ist nicht richtig. Ich habe niemals Träume gemalt. Was ich dargestellt habe, war meine Wirklichkeit.“

Frida Kahlo Selbsportrait

Frida Kahlos Kunstwerke faszinieren. Sicherlich wegen der malerischen Leistung und ihrem Talent. Vielmehr jedoch, weil Leinwand, Farbe und Pinselstriche ihre tiefe Innenwelt mit allen Emotionen darstellen. Beim Betrachten der Selbstbildnisse sehen Sie die „Wirklichkeit des Ich`s von Frida Kahlo“. Sie erahnen, was die unterschiedlichen Ereignisse ihres Lebens auf ihren inneren Persönlichkeitsebenen bewirkt haben. Sie erleben förmlich mit, welche Emotionen und inneren Bilder sie hatte. Die Kunstwerke sind intensiv, fesselnd und ziehen den Betrachter in den Bann. Genauso faszinieren ihre Persönlichkeit und ihr Leben. In den Bildern von Frida Kahlo können Sie einiges von sich selbst erkennen. Versuchen Sie es und nehmen Sie sich Zeit für eine Selbstreflexion. Betrachten Sie in Ruhe das hier dargestellte Selbstbildnis.
 
Frida Kahlo
Personenkult und Legendenbildung
Kaum jemand hat den eigenen Personenkult so weit getrieben wie Frida Kahlo - von ihren 143 Bildern sind 55 Selbstbildnisse - und bei kaum einem anderen Künstler sind Werk und Künstler so untrennbar verbunden wie bei ihr: der hohe Gehalt an Emotion und Tragik ist ihren Bildern also direkt abzulesen, noch dazu in einer mythischen, aber nicht allzu schwer zu durchschauenden ikonographischen Verschlüsselung. Das seelische und körperliche Leiden von dem ihr Leben geprägt war, kondensiert also unmittelbar in ihren Bildern – die Passion der heiligen Frida Kahlo als verbildlichter Kreuzweg? Nicht zufällig erinnern viele ihrer Selbstportraits an Heiligenbilder – und Leiden kommt eben gut an.

Selbstporträt, 1940

Selbstporträt, 1940
Die Königin der Schmerzen
Kahlos Leben gleicht einer Hollywood-Geschichte: Busunfall, Rollstuhl, Eheprobleme samt Affären, Fehlgeburten und trotzdem der künstlerischer Erfolg. Geschichten wie sie täglich in Boulevardmagazinen zu lesen sind - nur die Drogen fehlen. Zusätzlich dazu noch der Kampf für indigene Anliegen und Marxismus – und dazu noch ein markantes Gesicht mit Widererkennbarkeitswert (mit überzeichnetem Damenbart und Monobraue): das ist heutzutage Stoff für mehr als ein Star-Leben.

Selbstbildnis mit Dornenhalsband

Selbstbildnis mit Dornenhalsband, 1940 (Nickolas Muray Collection, Universität Austin/Texas)
In diesem Gemälde sieht man Frida in einer frontalen Haltung, um die Unmittelbarkeit ihrer Gegenwart zu betonen. Sie trägt Christus Dornenkrone als Halsband, womit sie sich als christliche Märtyrerin darstellt. Die Dornen, die sich in ihren Hals bohren, symbolisieren die Schmerzen, die sie immer noch an die immer noch angesichts der Scheidung von Diego spürt. An der dornigen Halskette hängt ein toter Kolibri, dessen ausgestreckte Flügel Frida’s zusammengewachsene Augenbrauen aufnehmen. In der mexikanischen Folklore waren tote Kolibris Glücksbringer  in Sachen Liebe. Über ihrer linken Schulter wartet eine schwarze Katze, ein Symbol für Pech und Tod. Diese scheint sich auf den Kolibri stürzen zu wollen. Über ihrer rechten Schulter kann man das Symbol des Teufels, ihren Spielaffen, sehen. Er war ein Geschenk Riveras. Die Schmetterlinge um ihre Haare stellen die Wiederauferstehung dar. Wieder einmal nimmt Frida als Hintergrund eine Wand aus großen tropischen Pflanzen. Dieses Gemälde war als Geschenk für ihren Liebhaber gedacht.

Roots

Roots, 1943, Öl auf Metall, 30x50,3 cm, verkauft bei Sotheby’s für 5,6 Millionen US$
In diesem Selbstbildnis bezieht sich Frida Kahlo auf die Natur. Sie wird eins mit einer Pflanze und wird so Teil der Natur. Der Traum einer kinderlosen Frau von Fruchtbarkeit. Ihr Oberkörper öffnet sich wie ein Fenster. Freda’s Blut läuft durch deren Blätter, die sich weit über die trockene Erde erstrecken, um sie zu nähren. Mit ihrem Ellenbogen stützt sie sich auf einem Kissen ab. Sie sieht sich als Baum ihres Lebens. In diesem Gemälde scheint Frida Kahlo die mexikanische Erde zu nähren.