Egon Schiele

 
(geboren 12. Juni 1890 in Tulln an der Donau, gestorben 31. Oktober 1918 in Wien)
Der österreichische Maler des Expressionismus glaubte daran, dass Geschlechtlichkeit die treibende Kraft aller Existenz sei, und nahm so quasi Sigmund Freuds These vorweg, in der die Sublimierung der Lust ein „versteckter Motor“ für die kulturelle Entwicklung der westlichen Welt darstelle. (Sigmund Freud in „Das Unbehagen in der Kultur“, 1930).

Selbstporträt mit Lampionfrüchten

Selbstporträt mit Lampionfrüchten, 1912, Öl und Körperfarbe auf Holz, 32,2x39,8 cm (Sammlung Leopold)
Inmitten der strengen Moral-Codes und sexueller Unterdrückung des frühen 20. Jahrhunderts, suchte Egon Schiele, in seiner Kunst diesen lebenswichtigen menschlichen Impuls in all seinen Facetten zu erforschen. Schiele, der zunächst von Klimt beeinflusst war, entwickelt bald seinen eigenen expressiven Stil. Seine Themen berühren zentrale Bereiche unseres Lebens und sorgten im Wien des beginnenden 20. Jahrhunderts für viel Aufruhr. Seine Sujets Erotik, Sexualität, Tod brachten dem Künstler Anprangerungen von Kritikern und der Justiz ein. Schiele jedoch, schuf neben seinen ungeschönten Aktdarstellungen auch psychologisch einfühlsame Bildnisse, in denen er das innerste Wesen der Porträtierten ergründete.

Wally in roter Bluse mit erhobenen Knien

Wally in roter Bluse mit erhobenen Knien, 1913, Gouache, Aquarell und Bleistift auf Karton
Im April 1912 wird die beginnende künstlerische Karriere jäh unterbrochen. Die Angewonhnheit Schieles, Kinder aus den kleinbürgerlichen und sittenstrengen Familien der Nachbarschaft als Modelle zu nehmen, wird in seinen Wohnort Krumau und später Neulengbach mit Argwohn beäugt. Schon 1912 wird Schiele dort des Missbrauchs einer Minderjährigen bezichtigt und später ans Kreisgericht nach St. Pölten überstellt. _Im April 1912 mußte Egon Schiele für 24 Tage ins Gefängnis. Man warf ihm die versuchte Entführung einer Minderjährigen vor sowie die Verbreitung unsittlicher Zeichnungen. Die in Haft entstandenen aquarellierten Zeichnungen gehören zu den ausdrucksstärksten und erschütternsten Dokumenten seines Lebens.

Schwarzhaariges Mädchen

Schwarzhaariges Mädchen, 1910, Aquarell und Bleistift auf Karton, 31x54 cm
Die Darstellung des unbekleideten Menschen nimmt im Gesamtwerk Schieles einen zentralen Platz ein. Kein Thema hat den Künstler mit solcher Intensität verfolgt. Schiele wird nachgesagt, er wäre frühreif und deshalb in der Pubertät von einer unlösbaren inneren Unruhe und Spannung erfüllt gewesen, die ihn sein ganzes Leben hindurch, selbst in seiner Ehe begleitete.

Liegender Weiblicher Akt mit gespreizten Beinen

Liegender Weiblicher Akt mit gespreizten Beinen, 1914, Gouache und Bleistift auf Karton, 47x30 cm (Sammlung Albertina/Wien)
Schonungslos erforscht Schiele den weiblichen und männlichen Körper, seziert ihn, übersteigert seine Darstellung ins Hässliche.

Stehende Frau in Rot

Stehende Frau in Rot, 1913, Gouache, Aquarell und Bleistift on card, 29x48 cm (Sammlung Bank Austria)

Sitzende Frau mit gebeugtem Knie

Sitzende Frau mit gebeugtem Knie, 1917, Gouache, Aquarell und schwarze Kreide auf Papier, 29x45 cm (Prag National Narodni Galerie)